Schuld und Tabuthema

Der „Zirkus des Lebens“ begrüßt seine zwei heutigen Darsteller:

„Tabuthema“ und „Schuld“ !


Bevor die Vorführung beginnt, möchte der Zirkusdirektor sämtliche Herzen im Publikum auf ein mögliches „Triggerrisiko“ vorbereiten und ihnen mitteilen, dass das heutige Programm eventuell länger nachwirkt. Ebenso sind aus den Darstellungen keine Empfehlungen oder Rezepte abzuleiten, denn der Direktor ist kein Arzt oder ähnliches – lediglich eine Seele, die den Weg mutig geht. Somit steht es jedem Besucher frei, ob er bleiben möchte. (Kurz danach verlassen einige Herzen das Zuschauerzelt, und es ist ihnen hoch anzurechnen, dass sie ihr eigenes Tempo fahren.)


Anschließend tritt „Schuld“ auf die Bildfläche und ihr ist anzusehen, dass sie sich bedrückt, zerrissen und verloren fühlt. Grund ihrer Situation ist der schmerzliche Verlust einer nahestehenden Person. Jene hat sich dazu „entschieden“ die Bühne des Lebens „freiwillig“ zu verlassen und seither sieht sich „Schuld“ mit der Frage konfrontiert, ob sie vielleicht etwas übersehen hat oder hätte anders machen können. Immer und immer wieder.


„Tabuthema“ ist in einer ähnlichen Lage und kann das Gefühlschaos nachvollziehen. Es weiß auch, dass es schwierig ist, über so ein sensibles und individuelles Thema zu sprechen, aber es möchte (für sich) ein anderes Bühnenprogramm wählen – ein positives, lebensbejahendes. Und nachdem „Tabuthema“ im Verarbeitungsprozess voranschreiten durfte und der Schmerz Schicht um Schicht aufgedeckt werden konnte, beginnt es (wieder) zu spüren und merkt, dass sich tief im Innersten etwas freigesetzt hat, wofür vorher kaum Raum war. 


„Schuld“ fühlt sich davon abgestoßen, aber auch irgendwie angezogen, auch wenn sie sich anfangs noch dagegen wehrt. Doch darüber reden hilft. So macht sie ebenso kleine große Fortschritte und schlussendlich kommt sie zu der heilenden Erkenntnis, dass es nach so einem schweren Schicksalsschlag völlig ok ist, sich schuldig zu fühlen. Dies anzuerkennen, führt dazu, dass ihre verletzliche und emotionale Seite an Zuversicht zurückgewinnt und paradoxerweise fühlt sie sich von Tag zu Tag weniger belastet und (mehr) verbunden mit ihrem Himmelsmenschen. 


© Marcel Schönefeld

[Werbung] Buchautor von „Im Zirkus des Lebens. Eine Geschichte von Mut und Veränderung.“ (überall erhältlich, wo es Bücher gibt)

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